Die moderne Reittherapie

Therapie

Die moderne Reittherapie (IPTh), ein Teilbereich des Therapeutischen Reitens, ist eine tiergestützte, körperorientierte Behandlungsmethode in welcher das Pferd als zentraler Motivationsträger und Co-Therapeut genutzt wird. Sie enthält auch Methoden die aus dem heilpädagogischen Reiten stammen, ist aber in erster Linie eine geplante Einzeltherapie. Gearbeitet wird in der Dreiecksbeziehung Klient – Pferd – Therapeut. Dabei steht nicht die reiterliche Ausbildung im Vordergrund, sondern die individuelle Förderung des einzelnen Menschen mit seinen spezifischen Ressourcen und Bedürfnissen. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch die Fähigkeit in sich trägt sich zu entwickeln und zu reifen. Mit Hilfe des Pferdes soll dem Klienten ermöglicht werden seine Selbstheilungskräfte zu entdecken und zu wecken. Ausgehend von einem medizinisch-psychologischen Störungsverständnisses mit problemorientiertem Vorgehen setzt die Reittherapie bei den Stärken und Ressourcen des Klienten an. Im Rahmen der Reittherapie erlebt sich der Mensch kompetent und selbstwirksam und kann diese positiven Erfahrungen und Erlebnisse in seinen Alltag und sein Leben übertragen.

 

Warum das Pferd in der tiergestützten Therapie?

Das Pferd begleitet den Menschen seit Jahrtausenden als Nutztier und sozialer Begleiter in Sport und Freizeit und löst in uns tiefe Empfindungen aus. Das Pferd wirkt auf den Menschen mit seinem Körper, seiner Bewegung und als soziales Tier mit seinem Wesen. Durch seine Größe und Kraft ermöglicht es den Klienten in der Reittherapie zusätzlich das Getragenwerden zu erfahren. Das Pferd begegnet dem Menschen wertfrei und unvoreingenommen und kann in der nonverbalen Interaktion die Handlungen und Körpersprache des Menschen widerspiegeln. So kann dem Klienten seine eigene Selbstwirksamkeit erfahrbar gemacht werden. Als Motivationsträger und mit seinem Aufforderungscharakter wirkt sich das Pferd aktivierend auf die Klienten aus, kann aber Gleichzeitig einer Quelle für Ruhe und Entspannung sein. Durch seinen hohen Aufforderungscharakter können mit dem Pferd besonders therapiemüde Klienten, die z.B. bereits sehr viele oder langwierige Therapien hinter sich haben, erreicht werden.

 

Therapie / Wirkung

 Das Pferd wirkt auf den Menschen mit seinem eigenen Körper, seiner Bewegung und seinem Wesen. Nach der ersten Kontaktaufnahme wirkt sich das Pferd mit seiner Wärme entspannend auf den Menschen aus. Durch Berühren und das Spüren des Pferdekörpers kommt es zu taktiler Stimulation, die eigene Körperwahrnehmung wird verbessert. Auf dem Pferd wirkt sich die Wärme und die rhythmische Bewegung des Tiers lockernd auf die Muskulatur des Menschen aus, der Körper des Klienten wird durch die dreidimensionale Bewegung des Pferdes passiv bewegt. Demzufolge wird der Rumpf aufgerichtet und das Gleichgewichtssystem wird gefördert.

 

Beim Getragenwerden kann sich der Klient ganz neu erfahren was erstmalige und spannende Empfindungen in ihm auslösen kann. Im Schritt können Ruhe und Entspannung ermöglicht werden, die Impulsübertragung im Trab wirkt sich aktivierend auf den Körper und den Geist des Menschen aus. Auf dem galoppierenden Pferd können die Klienten Schnelligkeit erleben. Da pferdegestützte Therapie größtenteils im Freien stattfindet stärken die Bewegung und die Aktivitäten in der Natur und an der frischen Luft das Herz-Kreislaufsystem, den Muskeltonus und den Bandapparat des Menschen.

 

Therapie / Anwendung

Mögliche Förderbereiche in der Reittherapie sind z.B. die Verbesserung des Selbstvertrauens und des Vertrauens in andere, Ängste können abgebaut werden, motorische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen können verbessert werden.

Reittherapie und pferdegestützte Therapie kann in vielen Bereichen eingesetzt werden. Einige hiervon sind z.B.:

  Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

  Anpassungsstörungen

  Autismus

  Burn-Out

  Störung des Sozialverhaltens

  Angststörungen

  Traumatisierung

  Bindungsstörung

  Essstörungen

  Depression

  Persönlichkeitsstörungen

  Frühförderung

  Zwänge

  Bipolare Störungen

  Kontraindikation

 

Wann ist Reittherapie sinnvoll?

 Sehr wirkungsvoll kann die Reittherapie als begleitende Maßnahme mit anderen Therapien und Therapeuten eingesetzt werden. In Sonderfällen hingegen ist von pferdegestützter Therapie abzuraten:

  Manische Phase bei Bipolarer Störung

  Körperliche Einschränkung wie Skoliose ab Grad II

   (Reittherapie nur nach ärztlicher Absprache möglich!)

 

Therapie / Sicherheit

Die Tiere der Reittherapie sind professionell für ihr Einsatzgebiet ausgebildet.

 

Voraussetzung für die Tätigkeit, ist eine qualifizierte Ausbildung am Institut für pferdegestützte Therapie in Konstanz.

 

Um gute Arbeit leisten und gute Qualität dauerhaft gewährleisten zu können, müssen für Mensch und Tier Standards eingehalten werden.

 

Pferde

  regelmäßiger Koppelgang mit anderen Pferden

  artgerechte Haltung - um ein gesundes Sozialverhalten zu erhalten

  regelmäßige Bewegung und Reiten - fördert die Ausgeglichenheit der Therapiepferde

  tierärztliche Behandlung und regelmäßige Hufpflege durch einen Hufschmied, ist für die

   Gesunderhaltung der Pferde unumgänglich

 

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© Miriam Miller